Ukraine 10.12.18 Tag 7

Es war ein sehr anstrengender Tag heute. Über 20 Familien und 150km haben wir heute abgespult. Und massenhaft Tee, Saft und Kaffee getrunken. Dazu gabs jede menge Gebäck und sonstige Naschereien. Ich traue mich auf keine Waage mehr!

So eine Reise mit einem Hilfswerk ist ganz schön anstrengend. Und die Strassen hier sind absolute Katastrophe! Oft hat man schlicht keine Chance den Löchern auszuweichen. Das schlägt jeweils durch bis zu den Bandscheiben. Lieber 800 km laufen, da gibts garantiert weniger zu leiden.

Und leider wurde auch unser Gehör arg strapaziert. Der jüngste Sohn einer Familie die wir besucht haben musste uns unbedingt sein Geigenspiel vorführen. Vielleicht habt Ihr auch schon mal das Vergnügen gehabt so einem gequitsch zuhören zu müssen. Es dauerte zu Glück nur rund 10 Minuten. 😂

Zu den Speisen allerdings gibt es nichts zu meckern. Sie verstehen es aus allem etwas leckeres zu zaubern. Natürlich ist alles recht deftig. Kein Wunder, die Winter sind hier lang und kalt. Da brauchen die Menschen viele Kalorien.

Ein grosses Problem ist der Preis für Gas. Der ist in den letzten Jahren dermassen angestiegen, dass es sich die Leute kaum mehr leisten können. Deshalb wird halt weniger geheizt. Hierzulande sind in den allermeisten Häusern Gasheizungen installiert.

Sie behelfen sich notdürftig mit kleinen Elektroöfen. Strom ist mittlerweile billiger als Gas. Zudem wird das Gas noch mit Sauerstoff gestreckt. Das ist zwar verboten aber niemand kann oder will hier etwas unternehmen.

Ja die Menschen hier haben so ihre Probleme. Trotzdem sind Sie mehrheitlich fröhlich, lachen und singen gerne. Wir haben heute eine uralte Frau besucht die uns aus Ihrem Leben erzählt hat. Als junge Frau kam Sie in das Gebiet von Donezk. Dort arbeitete Sie in einer Kohlegrube. Es war sicher sehr harte Arbeit aber Sie sagte uns sie hätten immer Spass gehabt an der Arbeit, viel gelacht und gesungen.

Das können wir uns nur schwer vorstellen. Die Lebensumstände in der Ukraine sind schon immer sehr viel schwieriger gewesen als bei uns. Und sie sind es bis heute geblieben. Viele die wir besucht haben wünschen sich heute die Zeiten der Sowjetunion zurück. Damals konnten sie zwar kaum etwas anderes als von der Regierung genehmigtes kaufen, essen oder denken. Aber sie hatten Arbeit und der Staat sorgte einigermassen für sie. Es gab auch weniger Kriminalität.

Heute ist Korruption überall zuhause. Viele bei uns selbstverständlichen Sachen kann sich nur leisten wer das nötige Geld dafür hat. Wie zum Beispiel das Gesundheitswesen. Ist jemand ernsthaft krank und hat das nötige Geld nicht bleibt er unversorgt. Kein Arzt oder Spital wird ihm helfen.

Dies wird sich in diesem Land auch nicht so schnell ändern. Deshalb ist unsere Hilfe ja auch so wichtig. Morgen machen wir weiter und besuchen so viele Familien wie möglich. Dann noch bis Mittwoch Mittag, danach wird es Zeit für uns zusammenzupacken und wieder in unser wohlbehütetes Land zurückzukehren.

Wenn es mir möglich ist, würde ich gerne hierher zurückkehren um wiederum etwas Freude in das Leben einiger Menschen zu bringen. Falls ihr Kleider oder vor allem Schuhe für uns habt die ihr nicht mehr braucht, ich bin gerne Abnehmer!

Jetzt wünsche ich Euch noch eine gute Nacht und bis morgen

Euer Swiss 🌹

Das alte Mütterchen, dass uns von Ihrer Arbeit im Kohlebergwerk erzählte

Dieses Mütterchen lebt allein in einem Zimmer so gross wie ein Wandschrank, direkt neben einer Bahnlinie. Aber sie war sowas von fröhlich!

Hier werden wir mal wieder so richtig durchgefüttert 😁

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