Heute beim Arzt

Ich hatte ja heute meinen Termin beim Orthopäden. Er hat den Fuss begutachtet und dann ein Röntgenbild angeordnet.

Das Verdikt war wie erwartet. Der dritte Mittelfussknochen ist gebrochen. Darum laufe ich nun mit einem Gips herum. Alles andere wäre nicht genügend gewesen um den Fuss richtig stillzulegen.

Der Arzt meinte es sehe nicht aus wie ein Ermüdungsbruch. Das beruhigt mich sehr, weil es sonst bedeutet hätte, dass etwas mit der Knochendichte nicht mehr stimmt.

Also ist es nach sechs Wochen hoffentlich ausgeheilt. Damit sollte es dann auch weiterhin möglich sein Wanderungen zu unternehmen.

Ich bin sehr froh, ist es nichts schlimmeres. Auf Wanderungen zu verzichten wäre mir sehr schwer gefallen.

Mit diesem Bericht ist das Unternehmen Jakobsweg nun definitiv abgeschlossen. Ich melde mich wieder wenn ein Projekt ansteht. Bis dahin wünsche ich Euch allen alles Gute und gute Gesundheit. 🌹🌹🌹

Euer Swiss

Letzter Tag des Abenteuers Camino Francés

Das Abenteuer ist zuende, das Werk vollbracht. Santiago de Compostela ist erreicht. Komischerweise stellt sich bei mir keine riesige Euphorie ein.

Ihr fragt Euch sicher was hat er nur? Er sollte doch vor Freude die Wände hochgehen?

Ehrlich gesagt habe ich mich auch gewundert wo meine Euphorie bleibt. Ich habe mir überlegt wiso ich so emotional unbeteiligt reagiert habe. Ich glaube zu wissen weshalb.

Da ist erst einmal das Wissen, dass damit ein tolles Abenteuer vorbei ist. Die Freude jeden Tag unterwegs sein zu können, frei zu sein und etwas einmaliges Erleben zu dürfen.

Der Spruch der Weg ist das Ziel stimmt für mich in jeder Beziehung. Nicht Santiago de Compostela war primär wichtig, sondern jeden Tag aufs neue aufzustehen. Die Herausforderung anzunehmen und dem inneren Schweinehund eine lange Nase zu drehen.

Sich körperlich und geistig herausgfordert zu fühlen. Schmerz und Frust überwinden und unsere wunderbare Welt zu bestaunen. All das bedeutet mir unendlich viel mehr als ein Zertifikat am ende und ein Klaps auf die Schulter.

Versteht mich bitte nicht falsch, natürlich freue ich mich über Eure Glückwünsche. Sie sind auch ein Teil der mir mehr Wert ist als jedes noch so schöne Diplom. Das und ganz wichtig für mich alle die mich unterstützten und meine Blogs gelesen haben. Es war so toll meine Reise mit Euch teilen zu dürfen. Noch einmal vielen Dank 🙏 dafür.

Morgen geht es also zurück in die Heimat. Alles ist gepackt und das Taxi zum Flughafen steht morgen um 07:00 Uhr bereit.

Damit verabschiede ich mich wieder einmal von Euch. Ich werde noch kurz schreiben was nun mit meinem Fuss wirklich los ist. Am Mittwoch habe ich einen Termin bei einem Orthopäden.

Machts gut und geniesst jeden Tag aufs neue. 🌹🌹🌹😉

Euer Swiss

Camino Tag achtunddreissig

Das wars, ich habe es geschafft! Sogar mit Rucksack bin ich die letzten Kilometer gelaufen. Es war ja auch nur noch ein kleines Stück bis zum Ziel. Damit sind 800km Jakobsweg zurückgelegt.

Es war wieder ein fantastisches Erlebnis mit allem was so eine Weitwanderung zu bieten haben kann. Heisse Tage mit endlos flachem Gelände, kalte neblige und regnerische in den Bergen.

Leute jeglicher Art, religiöse und mehr Touristische, Aussteiger und Originale, Skurrile Typen und sympatische Nonnen, Jugendliche aufgestellte Wandergruppen und einsame unnahbare Menschen auf Selbstfindung, Arme und Reiche. Einfach so ziemlich alles was die Menschheit zu bieten hat.

Ich möchte hier noch einmal allen Danke sagen die mich auf meinem Weg begleitet haben. Die meine Blogs gelesen haben, die mir ab und zu geschrieben haben. Die mir Mut gemacht haben und mich unterstützten wenn ich es nötig hatte. Ihr alle wart wichtig für mich.

Auch weil ich diese Wanderung ganz alleine durchgeführt habe. Das ist oft nicht ganz einfach. Die Leute die man trifft können die echten Freunde zuhause nicht ersetzen. Meistens mussten wir in Fremdsprachen kommunizieren. Da geht vieles verloren. Es waren sicher auch schöne Erfahrungen, zweifelsfrei.

Das alles ist jetzt vorüber und bleibt in meinem Herzen und der Erinnerung. Ich gedenke auch noch einmal dem verstorbenen Hanspeter, dem ich diesen Weg gerne widmen würde. Er hat mich in meinen Gedanken immer begleitet und ich wünsche Ihm alles gute da wo er jetzt sein mag.

Ich habe viele Kerzen für Ihn und alle anderen die ich verloren habe in Kirchen auf dem Weg angezündet. Die letzten heute in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Solange wir unseren geliebten Menschen gedenken sind Sie irgendwie nicht wirklich weg. Das ist meine feste Überzeugung.

Genug sentimentales, jetzt gehe ich noch kurz feiern und dann gehts schon bald ans packen. Ich freue mich endlich wieder meine Santina im Arm halten zu können!

Ich wünsche allen noch einen tollen Sonntagabend und schlaft gut. Tragt Sorge zueinander es ist es sich wert! Alles Liebe 💗🌹

Euer Swiss

Camino Tag siebenunddreissig

Da war sie also, meine letzte lange Etappe auf dem Jakobsweg. Ein letztes mal standen 28km an. Es forderte noch einmal alles von mir. Zumal es am Schluss mal wieder 31km waren.

Irgendwie geriet ich zwischendurch auf eine Alternative Route die zusätzliche 2km ausmachte. Und am Schluss war die Unterkunft über 1km vom Camino entfernt. Voilà 3km mehr gelaufen.

Obschon ich mich das ja bereits gewohnt bin, war es heute eine zusätzliche Belastung. So langsam spüre ich am ganzen Körper die Müdigkeit. Ich bin ja jetzt auch schon seit acht Tagen ohne Unterbruch unterwegs.

Da ist auch noch das Problem mit dem rechten Fuss. Spüren kann ich ihn eigentlich immer. Aber so langsam gehört der Schmerz zum laufen dazu und ich nehme ihn kaum mehr wahr. Einzig auf sehr unebenem Gelände wird es schlimmer, aber das ist ja jetzt eher die Ausnahme.

Die Wege sind jetzt mehrheitlich super ausgebaut und meist auch toll ausgeschildert. Nur ab und zu in kleinen Dörfern ist die Signalisation nicht einfach zu finden. Manchmal sind die Pfeile am Boden aufgemalt, manchmal klein und hoch oben an einer Hausmauer oder auf einem Pfeiler.

Meist läuft man sowieso den Pilgern nach die vor einem laufen. Bloss kann auch das in die Hose gehen! Wie dort wo ich mich plötzlich auf einer Variante zum Jakobsweg wiederfand. Da war ich auch stur einer vor mir watschelnden Pilgerschar gefolgt. Resultat: die erwähnten 2 Kilometer Umweg.

Nun zu etwas das mir bei meiner Wanderung oft aufgefallen ist. Es sind sehr viele Bauruinen zu sehen. Ein paar mal standen Autobahn Teilstücke in der Gegend herum die angefangen aber nie fertiggestellt worden sind. Wohl auch ein Grund der Wirtschaftskrise in Spanien.

Es ist schon gespenstisch einem ganzes Teilstück mit Brücke und Zu und Abfahrt mitten in einem Wald zu begegnen. So etwas habe ich hier zum ersten Mal gesehen. Auch ganze Wohnbau Siedlungen irgendwo auf dem Land ohne Infrastruktur die halbfertig gebaut herumstehen. Die Türen zugemauert und ohne Fenster. All diese Anlagen zeugen von riesigen Fehlinvestitionen.

Ich vermute jetzt mal, dass diesem Umstand auch der Unmut der hiesigen Bevölkerung gegenüber der Zentralregierung in Madrid entspringt. Verstehen kann man es wenn man die Auswirkungen hier sieht.

Es erinnert mich stark an den Rust Belt im Osten der USA. Oder an die Misere in Süditalien die ich um Neapel gesehen habe. Es sind alles Gebiete die von den Politikern und der Wirtschaft links liegen gelassen wurden. Globalisierung sei dank!

Kein Wunder werden Leute wie Trump, Puigdemont, und Giuseppe Conte plötzlich in die Regierung gehievt. Auch der Rechtspopulismus erklärt sich damit.

Das wär dann alles was ich am Tag vor meiner Ankunft in Santiago de Compostela zu erzählen gedachte. Morgen also das grosse Finale für das ich 800km gelaufen bin ! Nach achtunddreissig Tagen erreiche ich das erkämpfte Ziel!!

Morgen melde ich mich von Santiago de Compostela!!!

Bis dann Ihr Lieben und bleibt mir noch einen kurzen Moment treu! 🌹🌹🌹

Euer Swiss

Camino Tag sechsunddreissig

In vier Tagen fliege ich bereits nach Hause. Dann sind die achthundert Kilometer geschafft. Ich hatte lange Zweifel ob ich es mit dem angeschlagenen Fuss durchziehen kann. Zum Glück konnte ich das schwere Gepäck voraussenden, auch wenn ich es lieber selber getragen hätte.

Aber ich musste mich entscheiden, weil das Gewicht hätte meinen Fuss bestimmt zu sehr belastet. Zum Ausgleich konnte ich das Tempo massiv erhöhen. Nicht viele Pilger konnten da noch mithalten. Auch nicht solche ohne Gepäck. Das schmeichlt natürlich dem Ego! 😇 Nein, es war schon toll, dass mit dem Handicap noch so viel drin lag.

Ietzt bin ich also 28km weiter in Arzúa. Von hier sind es garade noch 38km bis Santiago de Compostela. Man merkt es gut an der riesigen Anzahl Pilger auf dem Weg. Es ist eine richtige Völkerwanderung. Allein unterwegs ist man höchstens noch morgens um sechs Uhr. Ab 08:00 Uhr zieht es mächtig an. Dann sind die Pilger wach und verpflegt.

Es ist schon ein riesen Unterschied zu den Kilometern vor 200km. Damals waren die Bars zumindest um halb acht offen. Nun kann man froh sein wenn sie um halb neun offen sind.

Sowieso fängt hier das Leben erst nach acht an. Nicht wie bei uns wo sich die Staus bereits nach sechs bilden. Tja andere Länder andere Sitten. Allerdings weis ich nicht wie es in der Stadt ist.

Und die Autofahrer sind wie die gestörten unterwegs. Kaum jemand fährt unter 100 kmh. Auch wenn 70 oder gar 60kmh vorgeschrieben sind. Als Wanderer muss man schon sehr aufpassen wenn man die Strasse überqueren muss.

Es ist genau wie in Italien, vielleicht noch ein wenig schlimmer. Zum Glück sind wir nicht sehr oft direkt auf der Strasse unterwegs, da haben die Verantwortlichen des Pilgerweges recht gute Arbeit geleistet.

Zumindest die letzten 200 km sind grösstenteils vorbildlich angelegt. Es gibt praktisch nur noch plattgewalzte Wanderwege die dem Römischen Wegnetz folgen. Das ist oft sehr romantisch. Ich habe ein paar Fotos davon gemacht.

Nun bin ich also in meiner Pension in Arzúa angekommen. Es ist wieder einmal phantastisch. Die Pension verfügt über eine riesige gedeckte Terasse, eine Küche, einen Gemeinschaftsraum und eine Waschmaschine mit Trockner, gratis! Das grösste ist, ausser mir ist heute niemand hier, ich habe das alles nur für mich!

Also sitze ich hier auf der Verand in einer Schaukel und schreibe meinen Blog während gerade meine Wäsche durchläuft. Bequemer gehts echt nicht mehr. Ausserdem befinden sich rechts und links der Haustüre zwei Restaurants, perfekt.

Ich grüsse Euch aus meiner superbequemen Schaukel und wünsche Euch ein schönes Wochenende. 🌹

Ich werde am Sonntag in Santiago de Compostela eintreffen! Ich freue mich riesig auf diesen Moment!

Euer Swiss

Camino Tag fünfunddreissig

Tag fünfunddreissig, kaum zu glauben wie lange ich jetzt schon durch Spanien latsche. Zwei paar Socken, ein paar Schuhe und ein halber Fuss sind bisher draufgegangen. Was ist denn nun die Erkenntnis des ganzen?

Erstens, Wandern macht unheimlich Spass! Zweitens wegen der Kulinarik sollte man besser zuhause bleiben. Drittens ich liebe jetzt auch die Spanier also natürlich nach den Italienern und den Nepalesi! Aber noch vor den Engländern die sich einfach nach meinem Geschmack zu sehr einmeihomeismei Kasteln. Für den Google Translator: zu sehr einmeinheimistmein Kasteln. (Glaube zwar nicht das der damit klarkommt)

Wo war ich? Ach ja, viertens: Völkerwanderung wurde auf dem Camino erfunden. Ich habe noch nie so viele Fusskranke Blasentreter freiwillig durch die Botanik sich kämpfen sehen. Mindestens 60% der in den Bars an der Strecke sitzenden haben die Schuhe ausgezogen, halten ihre Stinksocken in den Händen und werkeln an ihren Blasen und sonstigen Wehwehchen herum.

Zur Verteidigung der Durchpilger (neues Wortgebilde analog thruhiker) muss ich bemerken, dass dieses Phänomen erst seit Kilometer 100 vermehrt zu beobachten ist.

Tja und fünftens? Die Religion ist logischerweise das zentrale Thema bei diesem Massenphänomen. Erst wenn dann auch noch wandernde Predigchöre unterwegs anzutreffen sind, stellt sich mir ernsthaft die Frage häää???? Oder ich am Wegrand auf einem Schild lese „Gratis Umarmungen hier!“ beschleunigt sich mein Schritt wie von selbst.

Sechstens, hier geht mir die Phantasie langsam aus. Ach ja, es gibt auf dieser Pilgerfahrt nichts kurioses das nicht passieren kann. Kollektiver Wohlfühl Gspürschmi Zauber allenthalben. Nicht böse gemeint, aber es ist halt so. Alle fünf Meter wünscht mir jemand „buen Camino“ kann man das noch ernst nehmen? Das ist in etwa dasselbe wie auf dem AT die Floskel „how are you?“ wirklich interessiert hat es kein Schwein. Aber sagen musste man es.

So, das war jetzt eine nicht ganz ernst gemeinte Zusammenfassung des Camino Erlebens. Mir war einfach gerade so. Darum schreibe ich ja auch immer gleich nach meiner Ankunft am Tagesziel.

Seid wohlfühlsam zusammen und danke für die Aufmerksamkeit. Tschüss bis morgen, dann wieder ernsthaft… vielleicht 😁🌹

Euer Swiss

Camino Tag vierundreissig

Ihr seid einfach toll. Das Daumenhalten hat sowas von geholfen. Ich habe es geschafft!! Es waren wieder einml ein paar Kilometerchen mehr, 36 an der Zahl aber es ist gelungen und der Fuss ist noch heil!

Morgens um 4:15 Uhr war Tagwache. Bis ich alles gepackt und zum Abmarsch bereit war zeigte die Uhr 5:15 Ich aus der Türe 20 Meter weiter realisiert Rolandi, dass es stockfinster ist. Also zurück und die Stirnlampe aus dem Rucksack holen… denkste die Türe lässt sich von aussen nicht mehr öffnen.

Super, so bin ich bis um 7:30 Uhr mit der Lampe des Handys durch dunkle alte Römerwege auf und ab gestolpert. Um mich abzulenken, mutterselen allein, habe ich Musik über die Kopfhörer gelauscht.

Urplötzlich verlor der Hörer seine Verbindung mit einem Rauschen und verstummte. Dafür vernahm ich in der Dunkelheit den unheimlichen Ruf eines Uhu. Gerade als ich auch noch einen Friedhof passierte.

Ein wenig zitterig beschleunigte ich und werkelt an meinem Equipment herum. Nach einem Neustart erklang wieder Musik zu meiner Erleichterung!

Das sind Erlebnisse die kannst Du nur auf einer Wanderung morgens in aller Herrgottsfrühe erleben! Bis um 8:00 Uhr war ich Mutterseelenallein unterwegs. Ich bin ja die Südvariante gelaufen und die traf erst wieder kurz vor Sarria auf den normalen Camino. Von da an war Betrieb auf dem Weg. In Sarria beginnt für sehr viele erst der Jakobsweg.

Aber jetzt muss ich erst mal danke sagen, danke Euch allen die Ihr an mich gedacht habt. Das Daumenhalten hat sowas von geholfen!! Immer wenn ich aus der Spur geriet habe ich an Eure Unterstützung gedacht und es lief wieder!

Ich bin sowas von glücklich, dass ich diese Prüfung überstanden habe. Ich könnte heulen vor lauter Glück. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten! Es bleiben noch 92km übrig, dass ist echt zu schaffen. Auch mit dem lädierten Fuss.

Danke, danke, danke 🌹🌹🌹 für Eure Hilfe und dass Ihr mir die Daumen gedrückt habt. Bleibt bitte bis zum Schluss dabei, ich brauche Euch noch!

Allen einen schönen Abend, ich gehe jetzt unter die Dusche ein wenig Heulen. 😭

Euer Swiss