Letzter Tag auf der Insel

Diese Woche habe ich einiges erlebt. Schöne und eher mühsame Dinge. Den Rochdale Way konnte ich nur teilweise finden. Es fehlten schlicht Wegweiser oder Hinweisschilder. Was äusserst unangenehm auffällt für Kontinental Europäer, alles und jedes ist von Zäunen umgeben. Jedes Haus, jeder Garten, jedes Feld.

Da der Weg oft einfach aufhörte zu existieren stand ich oft vor diesen verflixten Zäunen. Zudem sind sie meistens unüberwindbar.

Heute gipfelte es darin, das ich mich plötzlich auf einer riesigen umzäunten Wiese wiederfand. Nach langem umherlaufen fand ich endlich ein (natürlich verschlossenes) Weidengatter. Kurzerhand kletterte ich darüber und befand mich wieder auf einem Feldweg.

Wie ich da so dahintrottete, hielt ein Wagen mit einem älteren Herrn darin an. Sofort fing er an zu schimpfen und fragte mich wer mir die Erlaubnis gegeben habe über seine Wiese zu laufen. Ob ich nicht wisse das dass verboten sei. Er könne mich der Polizei übergeben und dann käme ich ins Gefängnis.

Das fand ich nun etwas übertrieben. Ich beschied ihm ich hätte versucht auf dem Rochdale Way zu laufen. Dabei hätte ich mich verlaufen. Ich entschuldigte mich dafür. Er wetterte weiter das sei doch lächerlich, man könne sich doch nicht dermassen verlaufen.

Schliesslich zog er von dannen und ich konnte weitergehen. Dieses Erlebnis gab mir den Rest. Ich bin zur nächsten Bahnstation und schliesslich nach Manchester in ein Hotel. Ich habe echt keine Lust wegen solchen Kleingeistern auch noch Schwierigkeiten mit der hiesigen Polizei zu bekommen.

Mein Fazit dieser Woche ist sonst eigentlich positiv. Die Landschaft, so man denn darin Wandern kann/darf ist wunderschön. Gäbe es nicht so viele Zäune, könnte man es auch ungehindert geniessen. Zu Zelten habe ich mich nicht getraut. Möglicherweise wäre die Polizei mein Weckdienst geworden 🤣.

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Engländer gerne einigeln. Kein Wunder heisst das hiesige Moto „my home is my castle“! Die meinen das wohl todernst.

Einige Eigenheiten sind mir sonst noch aufgefallen. In den Dörfern sah ich selten Leute auf der Strasse. Die Häuser sind sehr oft Baufällig oder gänzlich am zerfallen. Hauptsächlich in den Dörfern. Ich sah viele verlassene, verfallene Fabriken. Ich hoffe sehr, dass England keinen Fehler gemacht hat mit seinem Brexit.

Was auch auffällt, in den Tolietten der Hotels fehlen die Toilettenbürsten. Das tat mir leid für die Putzfrauen.

Ob es generell schwierig ist hier zu wandern kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber den Rochdale Way kann ich aufgrund der fehlenden Wegweiser und dem teilweise gänzlichen fehlen desselben, nicht wirklich empfehlen. Schade, wäre die Gegend es doch wert sie zu Fuss zu erleben.

Mein nächstes Abenteuer werde ich ja dann wieder in Kontinentaleuropa in Angriff nehmen. Ich denke bei den vielen Pilgern die da herumlaufen werde ich mich dort kaum verirren. 😂

Damit endet mein Englandabenteuer fürs erste. Vielleicht komme ich irgendwann zurück, man weis ja nie.

Bis bald und seid brav inzwischen! Ich melde mich wieder wenn ich den Jakobsweg angehe und hoffe Euch auch da mitnehmen zu dürfen.

Euer Swiss

Autor: Swiss

Meine Leidenschaft ist Lesen, Schreiben, Laufsport, Weitwandern, Natur, Menschen, andere Kulturen und Lebensweisen. Ich bin Neugierig und offen für alles. Das Paradies ist immer noch in uns allen, wir müssen es nur zulassen.

2 Kommentare zu „Letzter Tag auf der Insel“

  1. Schade, dass du so viele Schwierigkeiten hattest. Aber wir müssen an dieser Stelle mal ein wenig für England in die Bresche springen: Andere Länder, andere Sitten! In England gibt es halt das Right of Way, so dass du auf den historisch gewachsenen und markierten Wegen laufen darfst. Aber eben nicht überall. Aber das Gesetz schützt auch die Wanderer: Ein Landbesitzer darf eben nicht einfach einen alten Weg zubauen oder unterpflügen, wie es in meiner alten Heimat häufig passiert. Solange man auf den Wegen bleibt, ist alles okay. Wir sind in England auch viel außerhalb von typischen Wanderrouten gelaufen, aber ausser zugewachsen Stiles und Brennnesseln hatten wir kaum Schwierigkeiten. Es sei denn, wir haben uns verlaufen!
    Wenn du noch mal nach England fahren solltest, geh lieber auf einen der großen Wege. Du kannst den Rochdale – Way nicht mit einem Jakobsweg vergleichen! 🙂

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    1. Das ist mir schon klar. Ich habe auch nichts unmögliches erwartet. Trotzdem bin ich überrascht worden über dieses unglaubliche Selbstverständnis der Landbesitzer auf ihrem Recht zu bestehen. Wirklich alles hier ist mit Zäunen und Verboten zugenagelt. Das scheint mir ein eigenartiges Verhältnis zu anderen Menschen zu demonstrieren. Komm mir ja nicht zu nahe sonst kannst du was Erleben! Man wird damit leben müssen, will man hierzulande Wandern. Ich bin mir nicht sicher ob ich das kann / will. Für mich persönlich lebe ich nach dem Moto die Erde gehört in erster Linie allen. Niemals würde ich einem Menschen den Durchgang durch mein eigenes Land verbieten oder ihn mit Zäunen oder Polizei und Gefängnis bedrohen. Das kann ich schlicht weder verstehen noch akzeptieren. Zäune sind nach meiner Meinung dazu da Tiere am weglaufen zu hindern und nicht Mitmenschen fernzuhalten. Tut mir leid, möglicherweise bin ich zu radikal, aber das ist nun mal meine Auffassung von zusammenleben. Schade für dieses wunderschöne Land, ich wünschte mir es wäre anders gelaufen.

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