Tag 71

Es war ein extrem langer Tag. Da es nicht regnen will steigt die Luftfeuchtigkeit stetig an. Dies kostet sehr viel Kraft.

Und der Trail wird immer häufiger durch sehr steinige Passagen unterbrochen was anstrengend ist und die Geschwindigkeit herunterbremst.

Am morgen, nach ungefähr 3km kam der schönste Campground den ich bisher gesehen hatte. Da war auch eine Sanitäre Anlage mit Dusche und warmem Wasser.

Da konnte ich mich frisch machen nach all dem Schwitzen. Leider hat es nicht lange gehalten. Noch immer lässt der Regen auf sich warten. 

Der Weg führte mich entlang an vielen historischen Stätten wo im Jahr 1862 die blutigen Auseinandersetzungen im Amerikanischen Bürgerkrieg stattgefunden haben. Ich habe ein paar Fotos in die Bildergalerie eingefügt.

Ich habe mir überlegt wie unendlich anstrengend es gewesen sein muss für die Soldaten in diesem unwegsamen Gelände zu laufen. Nur um am Ende zu kämpfen und eventuell den Tod zu finden. 

Und das alles weil die reichen Südstaaten Barone die billigen schwarzen Sklaven nicht freilassen wollten. Damals wie auch heute ging es nur um Macht und Profit.

Ich habe viele Gespräche zum Thema mit Leuten auf dem Trail geführt. Was mir aber leider auch aufgefallen ist zum Thema, ich habe nicht einen farbigen Hiker angetroffen.

Das stimmt mich Nachdenklich. Ich glaube das Thema Afroamerikaner und deren Diskriminierung ist hierzulande noch lange nicht gelöst.

Das ist eines der Dinge, die ich an der Amerikanischen Kultur nicht verstehe. Auch die Haltung zu Waffen, Sexualität und Alkoholkonsum ist irgendwie moralisch doppeldeutig. 

Einerseits muss man sich sehr vorsehen wie man mit dem anderen Geschlecht umgeht. Jegliche auch vermeintlichen Anzüglichkeiten können böse enden. Andererseits ist jederman berechtigt mit Waffen herumzulaufen.

Trotzdem ist Amerika ein tolles Land und die Menschen sind mir jederzeit offen und freundlich begegnet. Auch das ein Widerspruch zu dem wie sich die USA momentan der Welt präsentieren.

Ich denke der durchschnittliche Amerikaner ist heute genauso verunsichert wie es auch viele Europäer sind. 

Und da haben Politiker mit einfachen populistischen Universallösungen ein leichtes Spiel.

Genug der Betrachtungen meinerseits. Das wiederspiegelt allein meine Sicht auf die hiesige Gesellschaft.

Die zwei Tage mit insgesamt ca. 50km gelaufener Strecke haben mir stark zugesetzt. In mir keimen Zweifel an der Machbarkeit meines Unterfangens auf.

Ich werde meinen Körper sehr genau beachten und allenfalls die nötigen Schlüsse treffen.

Für morgen habe ich mir vorgenommen in Waynsboro Pennsylvania ein Hotel zu reservieren. Ich werde dort versuchen mich wieder zu erholen.

Gruss aus dem steinigen Maryland

Euer Swiss

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