Tag 18 nw

Das war ein enorm anstrengender Tag. Ich bin bereits um 5:15 aufgestanden und war um 7:15 auf dem Weg.

Ich würde gerne eine meiner Betrachtungen zum Trail weitergeben.

Seit geraumer Zeit laufe ich nun bereits durch eine teilweise unglaublich unberührte Natur. Wir Hiker sind hier definitiv nur geduldete Trampel.

Ich habe Rehe gesehen die in eleganten Sprüngen durchs dichteste Unterholz gesprungen sind. Ich sah Eichhörnchen die sich mit einem Sprung über den Trail hinweg zum nächsten Baum katapultiert haben.

Sie alle bewegen sich mühelos und ohne jegliche Hilfsmittel durch eine Umwelt in der wir keine 10 Tage ohne umfangreiche Ausrüstung überleben würden.

Hier wird dir Bewusst wie weit wir uns weg von der Natur entfernt haben. Und wie erbärmlich unsere Versuche anmuten sie zu beherrschen.

Solche Gedanken gehen dir durch den Kopf wenn du dich durch den Trail bewegst, mit 20kg Technik zum überleben am Rücken. Unfähig nur 10m zu rennen ohne sich etwas zu brechen.

Wir sollten wirklich innehalten in unseren Bemühungen um „Karriere“ und um immer noch mehr Besitz. Und uns Gedanken darüber machen wozu wir eigentlich hier sind.

Ihr seht, auf so einem langen Trip geht einem so manches durch den Kopf. Zeit genug hat man ja dazu.

Ganz im Gegensatz zum täglichen Wahnsinn dem wir alle heute ausgesetzt sind.

Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich für heute.

Ich wünsche Euch allen viel Erfüllung in allem was ihr tut.

Euer Swiss

Tag 17 nw

Gleich um 05:15 war Tagwache. Ich konnte mal wieder nicht einschlafen und die Luftmatratze verliert die Luft. So habe ich bloss 2,5 Stunden geschlafen.

Der Tag war sehr schön und es wurde schnell wärmer. Ich habe mich entschieden eine Nacht in Elkton im Country View Motel zu verbringen.

Es ist ein hübsches kleines Motel mit kleinen Häuschen. Fotos unter Woche 9

Ich habe neue Fotos von letzter Woche hochgeladen. Wenn ihr Lust habt schaut mal rein.

Das wars für heute, ich muss unbedingt nachschlafen 😌

Euer Swiss

Tag 16 nw

Die Nacht im Shelter war super…. zumindest für mich! Keiner hat geschnarcht… ausser mir 😔. 
Heute war es den ganzen Tag neblig und kühl. Ab und zu regenete es leicht. Ideales Hiking Wetter. Ausser das man nichts gesehen hat, jedenfalls noch weniger als sonst üblich.
Dafür hatte es erstmals einen Food Store am Trail. Dort konnte ich Sandwichs und mein heissgeliebtes Coke kaufen. Ein Festmahl!
Und auf die Schnauze gefallen bin ich später auch. Mein rechter Fuss ist ins leere gerutsch. Mein Rucksack drückte mich von hinten und ich verlor das Gleichgewicht. Kopfüber stürzte ich über den Weg hinaus in ein Gebüsch am Abhang.
Da lag ich nun, die Beine noch auf dem Trail, den Kopf nach unten und obendrauf mein Rucksack. Na toll dachte ich, was jetzt? 
Aufstehen ging nicht da der Rucksack meinen Kopf ins Gebüsch drückte. Den Rucksack lösen wäre wohl keine gut Idee gewesen. Hätte sein können das er sich den Abhang herunter verabschiedet hätte.
Schlechte Aussichten, so wühlte ich mich mehr schlecht als recht unter dem Gewicht des Backpack hervor. Brille und Kopfbedeckung verabschiedten sich, aber es gelang mir wieder auf den Weg zurück zu kommen.
Bin bloss froh, hat niemand meine Zirkusnummer beobachtet. Da lachen ja die Hühner. Zum Glück habe ich mich dabei nicht verletzt, was ein kleines Wunder darstellt.
Heute habe ich wieder 22km geschafft. Anders als gestern war ich am Schluss noch recht ok. 
Die Nacht werde ich nochmals im Shelter verbringen, da weitere Gewitter gemeldet wurden. Ab morgen sollte es dann wieder für drei Tage Sonnig sein. 
Morgen werde ich bis zum Parkeingang gehen. Von dort kann man ein Shuttle zu einem Motel rufen. Ich werde versuchen dort ein Zimmer zu kriegen. Mal sehen.
Für heute ist Schluss mit lustig.
Seid lieb zueinander ❤️
Euer Swiss 

Tag 15 nw

Die Nacht begann bereits um 19:00 Ich war so müde und bin auch gleich eingeschlafen. 

Um 20:00 war voerst Schluss mit Schlafen. Neben mir hatte eine Familie mit einem ca. 6 Järigen Knaben aufgeschlagen. Und der wollte partout nicht schlafen gehen. 

Die Eltern waren dem Quälgeist absolut nicht gewachsen. Eine Stunde dauerte das ganze. Dann war Ruhe und ich konnte endlich einschlafen.

Am Sonntag morgen bin ich um 05:30 aufgestanden  und habe mein Morgen Ritual durchgeführt. So konnte ich bereits um 07:00 losgehen. 

Das war auch notwendig, da am späteren Nachmittag Gewitter gemeldet wurden. Ich musste heute 21km laufen, da das nächste Shelter soweit entfernt war.

Ich bin den auch rechtzeitig angekommen. Den ganzen Tag war es drückend heiss, ich wurde richtig gekocht. Entsprechend war ich am Schluss auch ziemlich „durch“ 

Der Regen kam erst gegen 19:00 und war recht schnell vorbei. Trotzdem schlafe ich heute im Shelter. Weil für die Nacht weitere Gewitter möglich sind.

 Ich hoffe auf weniger Spinnen, die hat es hier definitiv… brrrr!!

Bis zum nächsten mal 
Euer Swiss 

Tag 14nw

Endlich wieder laufen. Frühmorgens um 06:15 war Tagwache. Um 07:00 hat uns das Shuttle zum Frühstück und anschliessend zum Trailhead gefahren.

 Ich bin jetzt für den nächsten Abschnitt mit Erly Bird unterwegs. Er ist gleich alt wie ich und läuft für drei Wochen auf dem Trail. Wir befinden uns jetzt im Shenandoa Nationalpark.

Er war lange für den Tabakkonzerne Philipp Morris in Übersee tätig. Für sie war er auch 3 Jahre in Neuchâtel. Er war entzückt jemanden zu finden der auch französisch spricht.

So haben wir uns denn in französisch unterhalten. Er hat ungefähr mein Level aber einen katastrophalen Akzent. Immerhin, er ist Amerikaner.

Sehr weit sind wir nicht gelaufen. Wir waren bereits um 14:00 Uhr und nach 12km am Ziel.

Mir machte das nichts aus. Die letzte Nacht habe ich ja wieder in einem Massenlager verbracht! Geschlafen habe ich nicht besonders. Auf einem der Doppebetten stand ein Warenhaus Klimagerät der billigsten Sorte.

Ich durfte das Gerät leider nicht ausschalten weil eine der anwesenden Damen augenblicklich ersticken wollte. So brüllte der Ventilator die ganze Nacht und verteilte eiskalte Luft im Raum.

Nein, Massenlager sind echt nichts für mich. 😤 Viel lieber schlafe ich im Zelt.

Zum Shelter kam plötzlich Blink daher. Das war der Engländer welcher damals in Gatlinburg kein Zimmer hatte und den wir bei uns in unserem Hotel aufgenommen haben.

Er erkundigte sich sofort nach Jasmina und war überrascht zu hören, dass Sie den Trail bereits vor Wochen verlassen hatte.

Wir hatten uns viel zu erzählen und es war ein lustiger Abend. Er hat uns seine Story erzählt wie er in Waynesboro zum Lokalstar wurde.

Sie waren in einer lokalen Brauerei Bier trinken. Das Lokal war eine offene Industriehalle. Da immer Vögel sich hierher verirrten haben sie zur abschreckung einen Plastic-Geier unter das Dach montiert.

Blink fragte den Besitzer wie denn der Vogel heisse. Ach meinte der, der hat keinen Namen. „Dann muss er Kevin heissen!“ rief Blink. „Wieso denn das?“ fragte der Besitzer. „Ein hässlicher Vogel braucht einen hässlichen Namen“ erklärte Blink.

Der Besitzer musste lachen und erklärte den Vogel offiziell als getauft auf den Namen Kevin. Tags darauf wurde die Story auf der offiziellen Facebook Seite der Brauerei gepostet.

Ich finde das ist eine Geschichte die es wert ist erzählt zu werden.

So und jetzt werde ich mich in meinem eigenen Bungalow herrlich erholen.

Gute Nacht allerseits!

Euer Swiss 

Tag 13 nw

Eigentlich ist der Tag noch nicht vorbei. Aber es ist gerade so viel geschehen. Darüber muss ich Euch berichten.

Heute morgen machte ich mich bereit um weiterzukommen. Der Shuttlebus brachte mich auch zum Trailhead. 

Dort angekommen standen zwei Hikerinnen auf dem Parkplatz und informierten uns, das der Trail wegen Hochwasser gesperrt wurde.

Sie sind am morgen gestartet. Bereits die erst Brücke war gefährlich zum überqueren. Bei der zweiten Brücke mussten sie umkehren da diese komplett überflutet war. 

Ein anwesender Ranger erzählte ihnen ausserdem, dass diese Sektion des Trails geschlossen werde. Besonders weil aufs Wochenende schwere Gewitterstürme erwartet werden.

Was sollte ich nun tun. Zuerst sind wir zurück zum Hostel gefahren um das weitere Vorgehen zu besprechen. 

Schliesslich habe ich entschieden mit andern zusammen nach Waynesboro zu fahren. Ich werde von hier wieder auf den Trail gehen. Wann habe ich noch nicht entschieden.

Vorerst bin ich mal hier in einem Hostel (Massenlager bäääh) untergebracht. Hier komme ich natürlich am leichtesten zu Informationen.

Die ganze Situation ist etwas ausser Kontrolle geraten. Sobald ich mich entschieden habe werde ich Euch weiter informieren.

Ich möchte jetzt ehrlich gesagt lieber laufen als hier herumzusitzen. Aber da kann man leider nichts machen. Das Wetter ist wie es ist Punkt. 

Ende der Newsdurchsage

Euer Swiss 

Tag 12 nw

Eigentlich wollte ich heute zurück auf den Weg. Um neun kam auch das Shuttle aus Glasgow rüber um mich zum Trailhead zu bringen. 

Je näher wir den Appalachen kamen um so schlimmer wurde das Wetter. Die Hügel waren im Nebel verschwunden. Es schüttete in Strömen.

Also entschloss ich mich kurzerhand im Hostel das zum Shuttleservice gehört einen Tag abzuwarten. Am Donnerstag müsste das schlimmste vorbei sein.

Nun es ist nicht wirklich mein Ding diese Massenlager. Dieses WG Feeling ist eher was für Junge. Ich laufe hingegen eher Richtung Asyl Gottesgnad 😊 Es hatte im übrigen auch noch andere meines Kalibers.
Also habe ich mich in mein Schicksal gefügt und brav den Geruch meiner Mithiker ertragen.

Und die Toilette geteilt die so klein war, dass ich nur quer draufsitzen konnte wenn ich die Tür zukriegen und nicht die Beine im Schlafraum parkiert lassen wollte.
Vom Bad ganz zu schweigen. Dort hätte man sich vermutlich schon vor Wochen anmelden müssen um einen Termin zu kriegen.

Wie gesagt, nichts für mich. Ich werde mich hüten weiter in solchen Hikerbuden abzusteigen. Soziale Kontakte hin oder her. Ausser natürlich in Notfällen wie diesem. Oder wenn mir Santina das Konto sperrt.

Ich hoffe wirklich inbrünstig, dass ich morgen weiterziehen kann. Da hab ich wieder meine eigene Bude und kann tun und lassen was ich will.
Es sind übrigens keine echte Thruhiker hier…. warum wohl?

 Fortsetzung folgt…..

Euer Swiss